Gruppentauchlich

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Gruppentauchlich

Zum Selayar Dive Resort führt nur die Wasserstrasse, und im Urwald unmittelbar hinter der Anlage sagen sich die drolligen Koboldmakis gute Nacht. Demnach könnte man vermuten, dass sich hier vornehmlich tauchende Individualisten wohl fühlen, die ein abgeschiedenes Top-Revier suchen. Doch der Schein trügt: Das Ziel eignet sich genauso für Tauchergruppen. Alle Mitglieder – ob Erfahrene, Beginner oder begeisterte Schnorchler – erleben garantiert Korallenwelten der Superlative.

Vor dem weissen Strand warten Seegraswiesen und das prächtig bewachsene Riffdach. Ein langer Steg führt bequem noch weiter hinaus zum einzigartigen Steilwand-Hausriff. Zu den übrigen spektakulären Tauchplätze inner- und ausserhalb des vom Resort initiierten Schutzgebietes
benötigt das Boot nur wenige Minuten. Und nach den täglichen kleinen Abenteuern unter Wasser klingen die stimmungsvollen Tropenabende in
gemütlicher Runde aus.

Die Anreise mit dem Boot entlang Selayars pittoresker Ostküste verrät ihren vornehmlich felsigen Charakter. Über weite Strecken verschwinden schroffe Kalksteinwände fast
senkrecht im Meer. Folglich müssen sich die Korallensäume mit schmalen Fundamenten begnügen und können nur ähnlich steile Wände ausbilden. In Buchten und weiter im Süden, wo die Berge niedriger werden, verläuft das Küstenprofil sanfter.

Dort sind noch vielfältigere Riffmassive mit beispielsweise breiteren Plateaus und riesigen Schluchten entstanden – so auch vor unserem Urlaubsziel. An Land tritt hier die Felskulisse ein Stück in den Hintergrund und bildet eine natürliche Einfriedung für den sandigen, mit Bäumen bestandenen Uferstreifen, der meerwärts in den hübschen Strand übergeht. Das Selayar Dive Resort wurde so umweltverträglich ins Areal eingefügt, dass es vom Wasser her kaum zu erkennen ist. Aus der Ferne verrät allein der lange
Steg die Anlage. Er führt uns geradewegs zur Tauchbasis und zum luftigen Restaurant gleich nebenan. Links und rechts von diesen zentralen Bauten verteilen sich die
Gäste-Bungalows mit weiten Zwischenräumen.

Gäste-Bungalows

Sie stehen im Schatten eines Blätterdaches, dessen Träger noch Kinder des ursprünglichen Regenwaldes sind, der gleich dahinter beginnt.

Höhlen über und unter Wasser

Das Grün verdeckt den Hang, der von der Kante eines uralten Riffes gebildet wird. Wie in jedem Karstgebiet sind darin Höhlen entstanden. Wer den schweisstreibenden Aufstieg nicht scheut, kann diese leicht begehbaren Hohlräume erkunden und dort in die Unterwelt und die Vergangenheit der Insel blicken. Die Entstehung der Gewölbe mit ihren Tropfsteinen hat eine erdgeschichtliche Dimension.

Aus jüngerer Zeit stammen die Fundstücke darin, deren genaues Alter niemand kennt: Holzsärge, Knochen und Scherben zeugen von den Bestattungen früherer Inselbewohner. Ein Pulk von Fledermäusen, die in einer finsteren Grotte ihr Tagesquartier haben, holt uns in die Gegenwart zurück. Die Apatana-Höhle hat vergleichbare
Ausmasse. Zu ihr zu gelangen, erfordert hingegen keine besonderen Anstrengungen – vor dem gleichnamigen Fischerdorf lassen wir uns einfach in die blaue Tiefe sinken. Ein Pfeiler trägt die massive Riffdecke. Wie aus einer Eckloggia schauen wir hinaus in die kolossale Unterwasserlandschaft, deren Hang sich ins Bodenlose fortsetzt. Unter uns kontrollieren zwei Graue Riffhaie, welche Fremdlinge in ihrem Revier für Unruhe sorgen.

Auch ein stattlicher Zackenbarsch nebenan scheint darauf zu warten, dass wir wieder verschwinden. Vermutlich hat er seinen Stammplatz in dem vorübergehend besetzten Gelass. Weit draussen zieht ein Schwarm Schnapper gemächlich durchs klare Wasser. Bevor unsere Zeit für den dekofreien Aufenthalt abläuft, treten wir den Rückweg an.

Das Riffplateau beginnt an dieser Stelle mit Geröll- und Sandflächen, über die sich einzelne Korallenblöcke erheben. In eine Spalte hat sich ein junger Spitzmaul-Fledermausfisch zurückgezogen, die Kontur seines schwarzen Körpers markiert eine leuchtend orangefarbene Linie. Kurz danach signalisiert Basis-Chef Jochen schon die nächste Entdeckung: Ein kaum fingerlanger, heller Anglerfisch ist absolut eins mit seiner kalkigen Umgebung. Im Vergleich zu dieser perfekten Anpassung wirkt später das Versteckspiel eines Krokodilfisches beinahe wie ein missglückter Versuch. Am Ende des Tauchganges hält die erstklassige Unterwasserbühne von Selayar noch eine Zugabe bereit. Zwei turtelnde Strudelwürmer üben gegenseitige Annäherungsversuche, um sich plötzlich temperamentvoll zu umschlingen und – im Beisein etlicher ungeladener Gäste – Hochzeit zu halten.

Nachtschwärmer

Das Super-Tauchrevier liegt vor der Haustür, das Wasser hat fast Badewannentemperatur – unter solchen Voraussetzungen kosten Nachteinstiege keine Überwindung, und Überraschungen bieten sie immer. Die Steilwand trägt Gala, denn das aufsteigende Plankton lädt seine zahllosen Fänger zum reichhaltigen Bankett. Korallen, die sich nicht ausschliesslich von symbiontischen Algen ernähren lassen, strecken jetzt ihre Tentakel weit aus. Besonders fallen die Kelchkorallen auf, die Partien der Wände und Decken
von Riffgrotten leuchtend orange färben. Bevor sich die grossen Polypen im Schein der Handlampe zusehends schliessen, bekommt der eine oder andere ganz nebenher noch einen Extrahappen serviert: Etliche der im Lichtkegel umherhuschenden Meerasseln bleiben an den Fangarmen kleben. Wer die Handlampe nahe an die Tauchmaske hält, wird überall winzige Glitzerpunkte im Doppelpack entdecken. Es sind Garnelenaugen, die das Licht nur innerhalb eines engen Winkels reflektieren. Dieser Trick hilft, Arten zu finden, die man sonst leicht übersieht, weil ihre zarten Körper nahezu durchsichtig oder farblich ausgezeichnet der Umgebung angepasst sind. Die Geiselgarnelen gehören beispielsweise zu jenen Krebstieren, die sich tagsüber kaum aus der Deckung wagen.

Auch Schnecken ziehen gern ihre Schleimspur durch die Finsternis. Dies gilt gleichermassen für die mit und ohne Gehäuse. So stattlich die gewundene Kalkschale vieler Vorderkiemer-Arten auch ist, ihre mannigfaltigen Hinterkiemer-Verwandten ohne Huckepack-Wohnung sehen viel reizvoller aus. Die Angehörigen einiger Familien der letzteren Gruppe besitzen zwar noch eine bedeutungslose, äusserlich oftmals kaum erkennbare Schale, aber zumindest in der Umgangssprache gelten sie alle als Nacktschnecken.

Viele – zum Beispiel Kopfschild-, Samt-, Stern-, Warzen- und Fadenschnecken – sehen wir auch tagsüber im Riff. Nachts kommen freilich zahlreiche Arten hinzu, insbesondere die grossen Formen der Flankenkiemer, Seehasen oder Sternschnecken, z. B. die attraktive Spanische Tänzerin. Auch die Strudelwürmer sind während der Nacht häufiger zu beobachten. Sie sind ebenso schön gezeichnet wie viele Nacktschnecken, denen sie beim flüchtigen Hinschauen sehr ähneln. Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal sind die auffälligen äusseren Kiemen der meisten Schnecken, die den flachen Würmern fehlen. Man kann ausserdem auf die schneckentypischen Fühler achten, muss allerdings genau hinschauen, weil die Strudelwürmer oft ihren Saum in ähnlicher Form auffalten.

Große und kleine Attraktionen am Riff

Vor dem Resort, wo das Dach des Riffes zur Kante hin etwas tiefer verläuft, kann man mehrere nahezu ausgewachsene Riesenmuscheln bestaunen. Die Tiere tragen schöne, zudem ganz individuelle Mantellappenzeichnungen, die so einzigartig wie menschliche Fingerabdrücke sind. Solch grosse Exemplare werden leider immer seltener, weil die Schliessmuskeln dieser Muscheln im wohlhabenden Asien als Delikatesse und Aphrodisiakum gelten. Selayar ist eigentlich kein typisches Revier für Grossfische. Wer aber  seinen Urlaub nach dem Mondkalender plant und das Resort zur Zeit der höchsten Tide besucht, erhöht die Chancen für solche Begegnungen. Die dann stärkere Strömung vor den exponierten Riffabschnitten lockt mitunter kapitale Meeresvagabunden an. Schulen der Dickkopf-Makrelen lassen sich von Tauchern kaum stören. Thunfische ziehen vorbei. Adlerrochen „fliegen“ elegant dahin, manchmal auch ein Manta; am Riff leben die stattlichen Schwarzpunkt-Stechrochen. In der kühlen Tiefe zeigen sich gelegentlich einzelne Hammerhaie. Sogar Schwertwale wurden schon beobachtet, allerdings von Land aus.

So sinnvoll es ist, den Blick von Zeit zu Zeit ins Blau schweifen zu lassen, die lebenden Miniaturen entlang der Steilwand sorgen unentwegt für Abwechslung. Hier ist es ein gelber Kugelschwamm, auf dem ein knallbunter Dreiflosser ruht; dort schaut ein Schleimfisch aus seiner Wohnhöhle im Kalkstein. Putzerlippfische und -garnelen agieren emsig an ihren Kunden. Eidechsenfische, Drachenköpfe oder Büschelbarsche lauern auf unvorsichtige Beute. Zwergseepferdchen verbergen sich erfolgreich in ihren Wirtsgorgonien. Clownfische kuscheln sich in den Tentakelflor der grossen Anemonen, in denen häufig auch verschiedene Partnergarnelen, Hohlkreuzgarnelen oder Porzellankrebse zu Hause sind. Fusselige Orang-Utan-Krabben bevorzugen Blasenkorallen als Quartier. Langusten verraten sich durch die langen Antennen. Zarte Moostierchen haben ihre Schleier ausgebreitet. Krustenschwämme verhüllen die Schalen der Stachel- und Zackenaustern. Eine Sepia tarnt sich mit skurril gekrümmten Armen, Hautausstülpungen und Farbmustern. Haar- und Seesterne sind Tiere ohne Vorn und Hinten.

Die zarten bis robusten Körper der Seescheiden stehen einzeln oder bilden eigentümliche Kolonien, tragen kräftige Farben oder blasse Pastelltöne. Vor dem Selayar Dive Resort erleben wir die Meereswelt von ihrer schönsten Seite. Die einsam gelegene Anlage bietet die ideale Kombination ihres natürlichen Flairs mit erstklassigen Tauch- und
Schnorchelgründen. Damit wird dieses Reiseziel ganz bestimmt den differenzierten Ansprüchen innerhalb einer Tauchergruppe gerecht, wenn der gemeinsame Nenner „Urlaub fernab des hektischen Alltags“ lautet.

Text und Fotos: Werner Fiedler

Auquanaut 5/6-2009

S E L A YA R

Das sollten sie wissen

AN- UND EINREISE:

Um zunächst nach Makassar (Ujung Pandang) auf Sulawesi zu gelangen, wählt man einen Langstreckenflug nach Denpasar (Malaysia Airlines befördert das angemeldete,  zusätzliche Tauchgepäck bis 15 kg kostenlos!) oder Jakarta. Auf der anschließenden Inlandstrecke muss das Übergepäck bezahlt werden. Der Transfer von Makassar nach Selayar erfolgt gewöhnlich per Kleinbus bis zum Hafenstädtchen Bira und dann mit dem Speedboot direkt bis zum Resort.

Für den Urlaubsaufenthalt in Indonesien ist ein noch sechs Monate gültiger Reisepass erforderlich; das 30-Tage-Visum (25 US-$) wird bei der Einreise erteilt.

RESORT:

Das Selayar Dive Resort liegt an der Ostküste weit im Süden der ungefähr 80 Kilometer langen Insel. Die sehr ruhige Anlage ist von ursprünglicher Natur umgeben und nur auf dem Wasserweg zu erreichen. Für die acht gemütlichen Gästebungalows (einige mit Klimaanlage) wurde der Wald nur etwas ausgelichtet. Das Restaurant bietet eine hervorragende asiatische und internationale Küche. Das Resort unter deutschem Management ist in den Monaten Oktober bis Mai geöffnet. Vor Ort ist ausschliesslich Barzahlung (Euro oder Rupiah) möglich. Schukosteckdosen liefern ganztägig Strom von 220 Volt.

TAUCHEN:

Die Sichtweite beträgt durchschnittlich etwa 30 m, die Wassertemperatur um 29 °C. Getaucht wird mit 12Liter-Aluminiumflaschen, deren Ventile einen INT-Anschluss besitzen. Die Basis verfügt über komplette Leihausrüstungen. Kurse (PADI) sind möglich.

INFORMATION:

Selayar Dive Resort: www.selayar-dive-resort.com
Telefon: +49-177-4080094 oder +49-172-8652626
E-Mail: info@selayar-dive-resort.com

 

2014-09-30T18:14:07+00:00 September 30th, 2014|Info, News|

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